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Napoleons Wein

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Im Jahre 1809 ahnten die kein Wort Ungarisch sprechenden „Ponzichter“ von Sopron noch nicht, dass die in ihren Wohnungen einquartierten Soldaten von Napoleon, die der Stadt nur Last und Leid bedeuteten, was für einen wunderbaren Nachlass für ihre Nachfahren hinterlassen würden.

Es geschah wie folgt, wie es das Gedächtnis des Volkes in Erinnerung erhielt, dass die Soldaten schmackhafte und ergiebige Kost des ungarischen Landes, sowie des historischen Weingebietes von Sopron genossen. Außer der obligatorischen Versorgung kauften sich die Soldaten noch vom guten Wein, und versuchten die Gefahren der Kriegszeit zu vergessen. Die Winzer bemerkten schnell, dass die Soldaten zwei Geldsorten besaßen: ein weißes Kriegsgeld, was Napoleon für die Kriegsausgaben herausgeben ließ, und ein blaufarbenes Geld, das noch aus der Vorkriegszeit stammte, und mehr Wert besaß. Für ihre besten Weine nahmen die Ponzichter nur das blaue Geld an, und beim Bezahlen sagten sie nur: blaue Franken.

Nach der Tradition erhielt dieser ausgezeichnete Wein so den Namen Blaufränkischer, was in zahlreichen Weingebieten Europas so genannt wird. Diese Geschichte ist schön, aber bestimmt nicht wahr, weil in den Napoleonkriegen auch in Sopron die Weißweinsorten am meisten verbreitet waren, und die blaufränkische Weintraube erst nach der Phylloxeraplage in großen Mengen erschien.

Wenn schon die Abstammung des Weines nicht vornehm ist, nach der Ampeologie kam es aus dem Kaspischen Raum, die Heilwirkung von ihm kann nicht bezweifelt werden. Es sind dreifache positive physiologische Wirkungen des Rotweines bekannt, aber Wiener Ärzte haben zwischen den zwei Weltkriegen bewiesen, dass die Weinsteinsäuresalze in der Traube die Darm- und Magenträgheit heilen. Die Ärzte empfohlen es ihren Patienten aus dem damaligen Hotel Lővér, dem heutigen Hotel Maroni, so dass eine große Anzahl Wiener Heiltouristen die Stadt überflutete. Sie ließen sich kurieren, machten Ausflüge, und wenn sie vom Várhely Ausguck die schneebedeckten Gipfel des Schneebergs erblickten, fühlten sie sich auch ein bisschen zu Hause. Diesen „Nachbarschaftsbesuchen“ hat der zweite Weltkrieg ein Ende gesetzt, und es kamen eine lange Zeit keine Gäste aus Österreich. Es begann wieder vor dem Fall des eisernen Vorhangs, aber jetzt lockte die Ausländer nicht mehr Napoleons Wein, sondern die Fachkenntnis und die billigen Preise der Zahnärzte nach Sopron.

Jetzt kann sich wieder die Heilkraft des Blaufränkischen zeigen, es kann ja die schon seit 80 Jahren zerrissenen Kontakte zwischen dem Burgenland und Sopron zusammenschweißen, damit mit dem Beitritt unseres Landes zur EU auch die Hauptstadt des Blaufränkischen wieder zum „Blaufränkischland“ zurückkehrt.

(Tamás Taschner)